DenkerundDichter — 24.12.10, 18:49:00

nem der tuer

Nem der Tür

Abends spät, die Glockn läut,
der Vatter sich da gar net freut.
„Wer stört denn jetzt bei so a Zeit
wenn’s draußn a scho widder Schneit?“

Die Tür reist auf, er will scho schrei,
dass Sammler net willkomme sei.
Doch auf der Mattn steht a Fra,
mit Sack und Pack und glotzt ne ah.
Das schwanger is, am Bauch sicht schnell,
und neben dran ihr Lumpngsell.

Bevor der Vatter, „Papp“ sach kann,
da spricht ne scho die Schwangre an.
„Grüßgott, verzeihn sie uns des Störn“,
so kann mer sie voll flehen hörn.
„Wir ham ke Haus und sehr gelitten,
drum möchtn wir um Einlass bitten.“

Dem Vatter is des gar net recht,
er hat doch scho a Magd, an Knecht.
„Ich hab nix, wo ihr schlafen könnt,
ge schleichts euch, denn ihr seid mir fremd."

Er windet sich, er will sei Ruh,
drum schickt sie weiter, er im nu.
Die Fremdn abber klaglos ziehn,
und dann vorm Dorf in Stall eiziehn.
Es hilft nix, denn heut Nacht solls sei,
dass hört mer neues Kinnergschrei.

Die Fra, sich krümmt, im Schmerz sich beucht,
der Stall, er wird vom Stern erleucht.
A Ruh kehrt ei, so ganz bedächtig,
selbst Viecher schaun, nur noch andächtig.

Drei Reisende bestaunes froh,
und legn Gaben nei ins Sroh.
Des Kind is da und lächelt mild,
so kenn mer des, des Weihnachtsbild,
wies oben in der Ecken hängt,
und jeden Tag die Sorng verdrängt.

Denn wenn ich mal an Frust verspür,
dann guck ich nauf, gleich nem der Tür.
In ehfach hölzern, gschnitztn Rahmen,
seit Genratione hängts scho - Amen.

© M. M. Werner

Dichter: m.m. werner
Sprecherin: Anika

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