DenkerundDichter — 29.11.10, 08:10:00

Die Rache (M. M. Werner)

Die Rache

Wo Flüsse in Mäandern flossen,
romantisch, sprudelnd, stark und wild,
sind heute längsverbaut, gegossen,
Kanäle in Beton gehüllt.

Die klaren tiefen Heimatseen,
einst Stätten voll Lebendigkeit,
sie sieht man nun gekippt, vergehen,
in dieser schnell gelebten Zeit.

Vergangen ist sie längst, die Stunde,
als stand das Leben felsenfest,
die Quelle geht nun selbst zugrunde,
im Meer treibt ölig-scharze Pest.

Die Wälder waren voller Leben,
doch das ist längst Vergangenheit,
sie können nur noch Zeugnis geben,
von unser aller Sterblichkeit.

Die Kinder kränkeln und sie sterben,
sie atmen Dreck in Heimatluft,
die kleinen Lungen, sie verderben,
in Feinstaub und in Schwefelduft.

Das Sonnenlicht, es birgt Gefahren,
ist agressiv wie nie zuvor,
in all den unbedachten Jahren,
man die Ozonschicht fast verlor.

Zuviele Autos und Fabriken,
vergiften Umwelt wie noch nie,
bis wir in Abfall ganz ersticken,
in Plastik Dünger und Chemie.

Verbauen, betonieren roden,
statt Denken und Besonnenheit,
wir tauschen ein für Wohlstandsmoden,
Oasen der Vergangenheit.

An Lebenskraft wir stets verlieren,
doch Stück für Stück und langsam nur,
statt existieren vegetieren,
gemächlich - rächt sich die Natur.

© M. M. Werner
Sprecher: Tim
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"Die Rache der Sprache ist das Gedicht." (Ernst Jandl)
Deswegen lohnt es Tim zu hören wie er Mikes Text interpretiert.
Hört wieder rein! Wir nähern uns Weihnachten. Vielleicht wird es ja langsam weihnachtlicher hier? Lassen Sie sich überraschen. Lass Dich überraschen!
Wie schon der Altshowmaster Rudi Carell zu sagen pflegte. Gruß nach oben!
Hört wieder rein! Es lohnt.

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